Zum Glück aus Osnabrück? / Lucky to be from Osnabrück?

Zurück zum Glück nach Osnabrück

Auf meinem Weg von Zuhause in den Bergen zurück nach Hause in die „Wüste“.

IC 1816 –24.Mai.2009

Der VFL liegt – mal wieder – zurück. 0:2 gegen Duisburg. Ein weiterer Abstieg in der Vereinsgeschichte. „Willkommen zu Hause!“ , hört man die Regionalliga bereits rufen. 45 Minuten bleiben dem VFL alles noch einmal umzudrehen. Minuten des Hoffens und Bangens. Osnabrück zittert. Ein Fußballclub, der in der Regionalliga spielt, würde sanft das Selbstbewusstsein der Stadt streicheln.

Ich verbinde mit Osnabrück weder Fußball noch ein mangelndes Selbstbewusstsein. Ein solches, welches oft der Stadt Osnabrück vorgeworfen wird. Osnabrück soll verbissen nach Aufmerksamkeit schreien. Bei allem mitmachen wollen und bei allem immer ganz laut „Hier!“ rufen. Zum Glück komm ich aus Osnabrück – ein Werbespruch der über jenes nicht-vorhandenes Selbstbewusstsein hinwegtäuschen soll? Ist es wirklich so essentiell in einer Stadt zu wohnen, dessen Selbstwertgefühl gesund ist oder kommt es im Endeffekt doch auf etwas ganz anderes an?
Ich machte mich auf der Suche nach diesem „anderen“ auf dem ehemaligen Handelspfad zwischen dem Hasetor und dem Rosenplatz. Dabei machte ich eine Entdeckung, die mich überraschte.

Wenn ich nämlich an Osnabrück denke, dann denke ich nicht an den Rosenplatz mit seinem Rosenhof oder an das „Haus der großen Abenteuer“. Auch bekannt als das ‚Problemhaus’ der Stadt, welches dem Abriss nicht entkommen sollte, wenn es nach den Politikern gehen würde, doch auf Grund der Bewohner nicht so einfach dem Erdboden gleichgemacht werden kann. Der Rosenhof, das ehemalige Kino, strahlte in den 50igern Jahren voller Charme. Heute ist seine Attraktivität viel reifer und interessanter. „Schönheit vergeht, Charme bleibt “.
Das „Haus der großen Abenteuer“ übertrifft nicht nur architektonisch bei weitem den Buckingham Palace, sondern man erlebt dort auch mehr Abenteuer als Mark Twains Huckleberry Finn. Im Jahre 2006 wurde ein Mann im Hause von zwei weiteren Bewohnern lebensgefährlich verletzt, es gab auch schon einige Brände und eine Frau starb im Fahrstuhl. Gemütliches Ambiente.
Wenn ich an Osnabrück denke, denke ich auch nicht an die Johannisstraße. Der obere Teil, vom Rosenplatz abgehend, stellt eine Straße dar, dessen Gebäude so gut zusammen passen wie die Zutaten einer Bloody Mary mit einem Stück Streuselkuchen. Ein Stück Weg, auf dem man genauso gut die halbe Welt entdecken kann, wie Reisen in die Vergangenheit wagen könnte. Das Haus Vennemann, ein Haus der Festlichkeiten, ist dafür zuständig. Von außen erinnerte es mich an eine Kneipe, die meine Großeltern womöglich zu ihren besten Jahren besucht haben könnten und die damals schon irgendwie aus der Mode war. Ein Laden, in dem die Leute von der guten alten Zeit reden. In dem Erinnerungen ausgetauscht und alte Freunde wieder getroffen werden. Wo die Bänke noch aus echtem Eichenholz ‘Made in Germany’ sind und der Bezug mich an Omas Blusen erinnern würde. Was vielleicht auch daran liegen kann, dass Oma ihre Blusen aus alten Gardinen nähte.
Der untere Teil der Johannistraße, der im Neumarkt endet, ist ein Shopping-Paradies, das sowohl in Sachen Einkaufen als auch in punkto Gaumenschmaus mit der 5th Avenue in New York mithalten kann -einfach reizend!

Wenn ich an Osnabrück denke, dann denke ich auch nicht an den Neumarkt oder an die Große Straße.
Der Neumarkt, wo Menschen ankommen, um bald zu fahren. Ein Platz an dem die Modernität kein Ende nimmt, wo man Zeitzeuge der Odysee wird und Homer um die Ecke gehen sieht – „wenig, aber mit Liebe!“ .

Die Große Straße, die ihren Passanten zu flüstert „Let Me Entertain You“. Wo ‚Frau’, angesichts ihres genetischen Dranges nach dem 2ten Paar Schuhe (in Purpur), dem 3ten Rock (in Violett) oder dem 4ten Top (in Magenta) sucht, oft zu ‚Mann’ sagt: „Don’t Stop Me Now“ und sich alles nur um eins dreht: „Money, Money, Money“.

Wenn ich an Osnabrück denke, dann denke ich auch nicht an die Hasestraße.

Altstadt mit Sex-Shop – Toleranz und Akzeptanz von Gegensätzen wird hier sehr groß geschrieben. Was der Papst dazu sagen würde, wenn er wüsste, dass zwanzig Meter von einem Gotteshaus ein Geschäft ist, das Umsatz mit dem teuflischen Drang der „Mann“lichkeit macht. Vermutlich: “Houston, we have a problem!”.

Wenn ich an Osnabrück denke, dann denke ich an ein Gefühl des Nachhausekommens – nicht an ein vermindertes Selbstbewusstsein, irgendwelche Straßen oder Ecken, noch nicht einmal an Fußball.

„Ich glaube dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!“

Der VFL Osnabrück hat 1:4 in Duisburg verloren. Vermutlich bedeutet das den Abstieg. Das Relegationsspiel gegen Paderborn wird es zeigen.

„Zank you for trevveling wiz deutsche bahn. Good bye!“

„Herzlich willkommen in der Friedenstadt Osnabrück!“

Herzlich willkommen zu Hause!

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